Elite 1/19 – Archiv

Wenn das Handy nervt

Danke, dass Sie Elite gekauft haben. Danke, dass Sie diesen Leitartikel lesen. Wenn ich Sie mir so vorstelle, wie Sie unsere Zeitschrift in Händen halten, dann gehe ich davon aus, dass Sie Hedonist sind. Dass Sie also die feinen, eleganten, das Leben verschönenden Momente genießen. Dass Sie gerne reisen, speisen und keine Berührungsängste haben, um sich mit kleinen und großen Dingen das eigene Leben angenehmer zu machen. Ist eh so kurz. Und man hat nur eines.

Sie sind also das, was man unter einem Genussmenschen versteht. Und wenn Sie nicht mit Reichtum, Erfolg, einem fetten Erbe gesegnet sind oder im Lotto gewonnen haben (also zu 97 % der Weltbevölkerung gehören), dann erfreuen Sie sich (und das dokumentieren Sie mit der Lektüre dieses Magazins) neidlos (!) daran, dass andere sich diesen Genuss leisten. Und sich nicht dafür schämen. Wird in Zeiten der Grün-Bewegung und steigender Anforderungen, was politische Korrektheit betrifft, sowieso immer schwieriger, das sogenannte Leben im Luxus. Bevor wir also nix mehr dürfen, uns kasteien, uns für die Yacht, das Luxus-Gefährt, die Kreuzfahrt oder das Verzehren von Gänseleber abgrundtief genieren und uns all dies selber vermiesen, gilt es noch, die letzten Möglichkeiten eines luxuriösen Lebens zu dokumentieren.

Dafür braucht man eigentlich nur ein Handy. Und ein soziales Netzwerk. Die Mobiltelefon-Industrie hat sich längst darauf eingestellt. Die neuen Mobil-Tools bieten Top-Kameras – fast schon in Leica-
Qualität – und perfekte Auflösung. Doch wenn Sie das nächste Mal Ihren Instragram-Account füllen oder ihre Facebook-Freunde beglücken wollen, sollten Sie über eine Anregung von Juan Amador nachdenken. 

Österreichs erster Drei-Sterne-Koch hat in seinem hochdekorierten Gourmet-Tempel in Wien das Fotografieren der Speisen verboten. Auf meiner Facebook-Seite hat er sich selber zu Wort gemeldet und schwächt – wohl auch angesichts der heftigen und kontroversiellen Diskussion darüber – das Wort „verboten“ ab und ersetzt es durch „empfohlen“. Doch leider klappt so was nicht. Empfohlen heißt: „Lasst‘s das bei mir. Es ist mir zuwider. Aber wenn‘s sein muss, dann macht‘s den Mist halt…“ Und damit ist seine Position schlagartig verloren. Weg, perdu.

Ich habe dazu folgende Meinung: Chacun à son goût (jeder nach seinem Geschmack). Wenn jemand so dumm ist, vor lauter Fotografieren den feinsten Rindslungenbraten kalt werden zu lassen, dann ist er selber schuld.

Die Food-Ablichter sind auch meiner Meinung nach arm dran. Es ist schlecht erzogen, unhöflich, stört die anderen Gäste und verdirbt die ungetrübte reine Freude am Genuss. Zusammengefasst: Mir gehen die genauso auf den Wecker wie die Gaffer bei Autounfällen. Eine Zeitung hatte seinerzeit, als ich noch ein Kind war, nix zu suchen am Tisch. Und das gilt heute für das Handy. Weg damit. Einstecken, wegräumen, verschwinden lassen. Und vorher abdrehen. Ich will keine Anrufe während dem Essen. So viel privatime Zeit muss sein.

Wir wurden streng erzogen. Mutter platzierte uns schlanke Bücher unter die Arme zum Üben beim Essen, damit wir die Ellenbogen nicht wegspreizen. Lümmeln galt als tabu. Als ich bei einer bekannten Aristokratenfamilie eingeladen war, war ich entsetzt, dass dort die Kinder bei Tisch lümmelten. Darauf stand in unserem bürgerlichen Haushalt schon fast die Todesstrafe. Aber für uns Kinder waren die Regeln kein Problem. Wir waren stolz auf unsere guten Tischmanieren. 

Ich habe mich jedenfalls bemüht, das auch meinen Kindern so beizubringen.

Damals, vor gefühlten 100 Jahren, widmete man die ungeteilte Aufmerksamkeit noch einander wechselseitig. Da redete man miteinander. Sah sich gegenseitig an. Meine Eltern waren da absolut intolerant, wenn‘s um uns Kinder ging. Die Mickey Mouse lesen bei Tisch? Undenkbar. 

Vielleicht bin ich ja altmodisch: Aber mir geht‘s noch immer entsetzlich auf den Nerv, wenn mir bei einem Gespräch ein Schnösel gegenübersitzt und dauernd auf seinem Handy herumtippt, während er vorgibt, mit mir zu reden. „Können‘s das nervende Ding wenigstes für die paar Minuten, während wir reden, abdrehen und sich auf unser Gespräch konzentrieren? Das wäre höflich…“, ist man versucht zu sagen… Aber er kann natürlich nicht (wieso – isser süchtig?) – und ich sage das nicht. Aus reiner Höflichkeit.

Ich gebe Juan Amador also recht: Werfen‘s die elenden Knipser raus, Herr Amador! Er wird nur ein Mega-Problem kriegen: Wenn du im Dienstleistungsgeschäft bist, musst du Kompromisse machen. Für die Gäste. Sonst bist du schnell als arrogant verschrien. Und weg.

Deshalb empfiehlt es sich nicht – bei aller Sympathie und gleicher Meinung meinerseits –, gegen den Strom zu schwimmen. Und dieser Strom (die Handymanie) ist die stärkste Innovation der Menschheit und damit eine gewaltige Kraft. Die wird auch ein Amador nicht verbannen und bändigen. Leider. Also liegt es an Ihnen, geschätzte LeserInnen.

Guten Appetit ohne Handy und viel Freude bei der Lektüre dieses Heftes wünscht Ihnen Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

 

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Sieben-Sterne-Himmel

Am höchsten, am teuersten, am komfortabelsten. Die außergewöhnlichsten und unglaublichsten Hotels der Welt schmücken sich gerne mit Superlativen. Schließlich klingen diese nicht nur gut, sondern locken auch Gäste an. Gold, Silber, Marmor, Glitzer, Glamour, edles Ambiente, erlesene Küche, beste Aussichten – und all das mit einem Service, der keinen Wunsch unerfüllt lässt. Sich auf höchstem Niveau nach Strich und Faden bedienen lassen. Das ist hier möglich. Oder geht es doch nur um den ultimativen Überfluss? 

Die von manchen Nobelhotels angegebenen sieben Sterne existieren offiziell nämlich nicht einmal. Es gibt weltweit kein international einheitliches Vergabesystem. In den jeweiligen Ländern werden die Sterne nach unterschiedlichen Kriterien vergeben. Die Klassifizierung der Hotels ist freiwillig und immer nur für drei Jahre gültig. „Jeder Betrieb kann selbst entscheiden, ob er sich am Verfahren beteiligen möchte“, erklärt Markus Luthe, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA (siehe Kasten links). „Erst wird ein Erhebungsbogen elektronisch ausgewertet, dann überprüft eine Klassifizierungskommission die Angaben vor Ort. Es gilt das Prinzip: Wie viele Sterne man bekommt, hängt davon ab, wie viele Merkmale des Erhebungsbogens vor Ort vorhanden sind.“ 

Fünf Sterne sind das Maximum 

Stefanie Heckel, Sprecherin beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, erklärt: „Die maximale Anzahl der Sterne ist fünf und wird für Ausstattungsmerkmale und Serviceangebote vergeben. Wirbt ein Hotel mit mehr Sternen, ist das reine Marketingaussage und hat nichts mit einer transparenten Klassifizierung zu tun.“ Das habe sich weltweit so etabliert, ergänzt Torsten Kirstges, Professor für Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven: „Eine zu starke Differenzierung würde mehr verwirren als nutzen.“ Die Ansprüche in den einzelnen Ländern sind zu unterschiedlich. So legen Nordeuropäer Wert auf große Betten, Franzosen auf ein Bidet und Amerikaner auf eine Eismaschine. 

Ultraluxuriös

Um sich als „ultraluxuriöses“ Hotel zu qualifizieren, muss sich das Haus besonders um seine Gäste bemühen: Dazu gehört etwa ein Chauffeur, der die Gäste in der Luxuskarosse vom Flughafen abholt und dabei ihre Lieblingsmusik spielt, oder ein Butler, der einen zum Shopping begleitet und die Einkaufstaschen trägt. Diese (oft selbsternannten) 7-Sterne-Hotels heben sich de facto bei ultimativem Luxus und Privatsphäre ab, überzeugen durch überragende Qualität, exzellenten persönlichen Service und luxuriöse Ausstattung.

Burj al Arab Jumeirah

Er thront wie ein Segel im Wind auf einer eigens angelegten Insel im Persischen Golf und überzeugt mit fünf Swimming Pools, einem Infinity-Pool und Luxus-Cabanas mit grandiosem Ausblick aufs Meer. Den Gästen wird die perfekte Kombination aus arabischer Opulenz und exquisitem Service geboten.

TOP:

  • Helikopter-Landeplatz
  • Privatstrand
  • Rolls Royce-Service
  • eigenes Golf-Cart
  • private Rezeption auf
    jeder Etage
  • persönlicher Butler
  • acht Weltklasse-Restaurants

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Star-Köche bei den Nachbarn

Slowenien

Hiša Franko

Eigentlich wollte sie Diplomatin werden. Doch dann setzte sich bei Ana Roš die Kulinarik-Leidenschaft durch. Als autodidaktische Ausnahme-Köchin kreiert sie im Hiša Franko im slowenischen Kobarid, gut eine Stunde von der österreichischen Grenze entfernt, eine regionale Küche, gewürzt mit Zutaten aus der Umgebung. Mit Respekt vor den Bauern, Produzenten und Verarbeitern im Hintergrund. Vieles ist Intuition. Das meiste ist Passion und Herzblut. Lebensmittel sind die Botschafter des Territoirs. Ein Koch soll die Fähigkeiten besitzen, diese in ein Gericht zu verwandeln. 

Als „weltbeste Köchin“ 2017 von „The World‘s best Restaurants“ ausgezeichnet, begeistert Roš gemeinsam mit ihrem Mann in ihrem Familienbetrieb im Soča-Tal mit Gerichten, die die traditionellen Wurzeln erkennen lassen. Tolminer Käse, Weidelamm und Kitzfleisch aus dem Dorf Dreznica. „Mit meinem Essen möchte ich die Saison, die Lokalität, meinen Charakter, meine Reisen, aber auch Weiblichkeit ausdrücken“, sagt die Mittvierzigerin. Der Andrang im Lokal ist groß. Mitunter müssen Gäste Wochen im Voraus reservieren. 

hisafranko.com

Ungarn

Stand 25

Tamás Széll war Küchenchef des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants Onyx in Budapest. 2016 wurde er mit dem Bocuse d’Or, dem Oskar der gehobenen Gastronomie, ausgezeichnet. Heute führt er mit seiner Frau das Bistro „Stand 25“ am Hold Utca, dem Genuss-Markt im Herzen der Hauptstadt. Für ihn ist es ein spannender Abstecher aus der Welt der feinen Küche. Abwechslungsreich, leger, aber weiterhin kompromisslos in punkto Qualität und Zutaten. Nur was gerade saisonal am Höhepunkt ist, wird verarbeitet. Unter dem Motto: Die Natur ist der beste Koch. Symbolträchtige ungarische Freestyle-Küche wird geboten. Oder wie sagte es Károly Gundel, der mit seiner Gundel Palatschinke berühmt gewordene ungarische Koch, einmal: „Unsere Speisen sind wie unsere Musik und Sprache, sie unterscheiden sich von denen anderer Europäer. Aber dieser Unterschied dient nur zu ihrem Vorteil.“ stand25.hu

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Sammler-Leidenschaft

Der Kunst wird die magische Kraft zugeschrieben, Wertloses in Unbezahlbares zu verwandeln. So wie ein Priester, wenn er eine Hostie in den Leib Christi verwandelt. Für Kapitalisten sind Kunstwerke nichts anderes als Statussymbole. Kunst ist gleich Geld, sind Aktien in schönerer Form. Der Marktwert gilt als wichtigster Faktor im Kanonisierungsprozess von Kunst. Das Wertsteigerungspotenzial scheint dabei grenzenlos. Der limitierten Anzahl von Kunstwerken steht eine immer größere Zahl an Käufern und Sammlern gegenüber. Das verursacht einen extremen Anstieg des Preisniveaus am Kunstmarkt. Denn durch den Einstieg Chinas und anderer asiatischer Schwellenländer in den Kunstmarkt ist dieser global geworden und weist gerade bei den Blue-Chip-Werten starke Anstiege auf.

Haben sich die Namen der Künstler einmal als Marke etabliert, gibt es anscheinend für die Preise nur eine Richtung, wie als Beispiel ein Gemälde von Pablo Picasso zeigt. Das Werk „Les Femmes d’Algier“ wurde 1997 um rund 32 Millionen Euro versteigert. 2015 in New York kam das gleiche Bild für rund 179 Millionen Dollar unter dem Hammer. Was damals ein Rekordwert für ein Gemälde war, ist jedoch heute nur noch Schnee von gestern. Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ erzielte 2017 bei einer Auktion 450 Millionen US-Dollar. Auf der anderen Seite nagen viele Künstler, die nicht vom Kunstmarkt gehypt werden, am Hungertuch.

Die künstlerische Begabung ist längst nicht genug, um am hart umkämpften Markt zu bestehen. Selbstvermarktung und die Vernetzung mit Galeristen und Kunsthändlern gehört heute genauso zum Anforderungsprofil eines erfolgreichen Künstlers wie das Beherrschen des Handwerks. Künstlerische Qualität allein ist zu wenig, um sich durchzusetzen. Das weiß auch Herbert Liaunig, dessen Sammlung heute rund 3.800 Werke von 380 Künstlern umfasst. „Es gibt Künstler, die sich nicht gut vermarkten oder keine Galerie gefunden haben und so über Jahrzehnte unterbewertete Positionen hatten. Diese Künstler zu finden und ihre Arbeiten und deren Bedeutung zu zeigen, ist für mich immer wieder spannend“, so Liaunig, der als vermögender Sammler in der Förderung der Kunst eine soziale Verantwortung sieht. Trotzdem gibt es noch viel zu wenige solcher Kunstsammler, um all die Talente aufzusammeln und zu entdecken, die im Verborgenen ihr Genie vergeuden. Und die wohl das romantische Schicksal ereilen wird, erst nach dem Tode Ruhm zu erlangen.

Wie glücklich kann sich da ein Künstler schätzen, wenn sich ein Mäzen seiner annimmt. So wie es einst die Medicis taten, die als Förderer Florenz zum Kunstzentrum der damaligen Zeit machten. Die von ihnen protegierten Künstler wie Donatello, Michelangelo oder Masaccio schufen Werke, die bis heute Weltruhm genießen. „Im Namen Gottes und des Gewinns“ stand in den Geschäftsbüchern der Medici.

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Best of Red Carpet

Auf der ganzen Welt blickt man auf Veranstaltungen wie die Met Gala oder die Film-Festivals in Cannes und Venedig. Im Fokus: die ausgefallenen Roben, hochkarätigen Juwelen und gelungenen Beauty- und Styling-Looks, die dort von den Stars präsentiert wurden

1. US-Popstar Miley Cyrus setzte auf Farbenkombination mit einem Saint Laurent Kleid und Juwelen der Bvlgari Heritage-Kollektion, dazu ein Ring der Serpenti-Kollektion.

2. Runway-Königin Naomi Campbell präsentierte sich in einem pinken Valentino Kleid von Pier Paolo Piccioli und mit fabelhaftem Schmuck von Bvlgari, darunter auch ein Favorit des Red Carpets: das Diamantenarmband, das schon in der Vergangenheit von Ikonen wie Julia Roberts getragen wurde.

3. Das US-amerikanische Topmodel Bella Hadid trug bei den 72en internationalen Filmfestspielen von Cannes eine atemberaubende Dior Couture Kreation sowie ein prächtiges Armband in Platin mit Saphir, Smaragden und Diamanten, Ohrringe in Weißgold mit Diamanten sowie einen Ring mit Diamanten von Bvlgari.

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Fashion Weeks Herbst 2019

Von interessanten und fantasievollen Mustern bis hin zu strukturierten Linien und Formen: Die Mode-Kreationen der Herbst-Winter 2019/2020 Runway Kollektionen kombinieren Innovation mit klassischen Designs.   

Chanel

Es war die erste Chanel-Show, die nach dem Tod Karl Lagerfelds stattfand. Das Grand Palais wurde in ein verschneites Dorf verwandelt. Und Celebrities wie Cara Delevingne oder Penélope Cruz liefen zu Ehren des verstorbenen Designers mit. Tweed-Mäntel, Strickkleider und Bergstiefel tauchten in das alpine Panorama ein und ließen die Fashion-Welt staunen. 

Prada

Das klassische und elegante Design der Mailänder Marke lässt sich kaum ignorieren. Dennoch setzten die Italiener auf Innovation, wie der Nylon-Look in Grün zeigte oder die begleitenden Bergstiefel. Edel blieb es dank gestreifter Tailleurs und langer Röcke mit Blumen-Muster. 

Gucci

In Mailand herrscht die Interpretationsfreiheit von  Alessandro Michele. Die Kreativität des Designers bringt bodenlange Kleider, doppelreihige Sakkos, Tweed-Anzüge und  „pie de poule“ hervor.

 

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