Editorial: CORONANGESPEIST

Ach, was waren das für Zeiten, als die Welt noch jungfräulich war. Als man sich mit Bussi-Bussi begrüßen konnte. Als eine Umarmung noch kein feindseliger Akt war. Als die Wirtschaft noch intakt, das Reisen noch frei, der Schlaf noch unbeschwert war.

Seit einigen Monaten ist alles anders. Die Welt ist zu einem erbärmlichen Maskenball verkommen. Die Wirtschaftsmächte aller Staaten sind vor einem 125 Nanometer winzigen Virus, das nur im Elektronen-Mikroskop erkennbar ist, in die Knie gegangen. Und unzählige unserer Grundfreiheiten haben sich verabschiedet. Wem nun die tägliche Infizierten- und Todesstatistik schon viel zu viel ist, wer die immer wiederkehrenden Durchhalteparolen nicht mehr hören kann und wem das alltägliche moralinsaure (politisch korrekte) Geschwätz zum Hals heraushängt, der erhält mit dieser Ausgabe eine wirkungsvolle Medizin: Wir haben uns das so ausgedacht: Was uns niemand wegnehmen kann, das sind unsere Träume. Wenn die Illusionen platzen, weil selbst die Superstars ungeschminkt vor ihren Laptop-Kameras auftreten, wenn das gesellschaftliche Leben sich auf Whatsapp reduziert und förderliche Kommunikation an wackeligen Zoom-Verbindungen scheitert, dann wollen wir und Sie, geschätzte Elite-Leser, uns dennoch das elegante Träumen nicht versagen.

So halten Sie denn eine 150 Seiten starke, völlig corona- freie Ausgabe in Händen, die noch dazu mit einer ganz besonderen Bildergeschichte aufwartet: Elite-Autor Martin Krake hat, aufgeschlüsselt nach den englischen Hashtags der weltweit wichtigsten Sehenswürdigkeiten, eine Rankinglist der meistfotografierten Reisemotive vorgenommen. Ich kann diese Liste freilich nicht vorbehaltlos teilen. Und habe mir demnach die Frage gestellt, ob man im eigenen Heft dem eigenen Redakteur und seinen Recherchen widersprechen darf. Die klare, einstimmige Antwort aller Beteiligten lautet: „Klar, kann man, soll man, darf man.“ Sohin darf ich Ihnen im Editorial meine ganz persönliche Liste der Top-Ten-meistfotografierten magischen Orte präsentieren.

Finden Sie hier die Fotos meiner Favoriten von eins bis zehn. Und erlauben Sie mir dazu ein paar Anmerkungen: Das Schießen von Urlaubsfotos hat sich (neben der Status- und Erinnerungs-Funktion) zum weltweiten Wettbewerb entwickelt. Mit fast schon sportlichen Ausmaßen. So findet denn – welt- umspannend – die Meisterschaft der besten und gelungensten Urlaubsfotos tagtäglich bei Millionen Menschen statt. Voraussetzung: Sie sind nicht eingesperrt und dürfen reisen. Dafür, dass das gelingt, sind wir alle bereit, viele Mühen auf uns zu nehmen. Seinerzeit, als noch Kodak mit seinen Filmen das große Geld machte, lautete ein kluger Spruch: „Das Billigste am Fotografieren ist das Material.“ Heute gilt: Das Teuerste am Fotografieren ist das Üben. Die Vielzahl der Versuche (denn unser wertvollstes Gut ist die Zeit), bis ein gelungener Schuss dabei ist.

Dazu sind die Menschen heute bereit, viel Mühsal auf sich zu laden. Oftmals begibt man sich sogar in Lebensgefahr, um den alles entscheidenden Schnappschuss für die sozialen Netzwerke (und damit für das eigene Ego) hinzukriegen. So sind in den letzten sechs Jahren 259 Menschen bei Selfies uns Leben gekommen. Bei der Rankinglist der tödlich Verunglückten „führt“ Indien mit 159 Toten vor Russland, in dem 16 (meist junge) Menschen für den Wunsch eines tollen Fotos ihr Leben ließen. Die Einsatzbereitschaft für die außergewöhnliche Aufgabe ist groß. Wer in Kambodscha einen Bettelmönch fotografieren will, der muss um fünf Uhr früh aufstehen. Wer das schönste Foto der Niagara-Wasserfälle machen will, der bekommt nur dann das beste, wenn er sich ins eiskalte und reißende Wasser begibt.

Top-Fotos sind die Trophäen unserer Zeit. Davon profitiert eine milliardenschwere Fotoreisen-Industrie gewaltig. Von den Handy-Herstellern, die immer bessere Objektive und immer qualitativere Software in die Alltags-Tools packen, über die Reise-Branche, vom Selfie-Trip über Bustourismus mit chinesischen Urlaubern zu den französischen Lavendel-Feldern bis zum Tierverleih (Bären in Russland, Lamas in Peru, Äffchen in Kenia) reicht das Angebot. Und wem die Selfiestick-Perspektive nicht reicht, dem wird mit einem Profi-Drohnen-Angebot geholfen. Womit ich Sie mit meiner Liste in die weite Welt hinausschicke und Ihnen viel Spaß bei Mode, Beauty, bei den Red Carpets wünsche – allesamt Dinge, die wir wohl eine Weile entbehren müssen. Umso mehr dürfen wir uns dann alle gemeinsam auf den „Tag danach“ freuen. Bis dahin ist Träumen erlaubt. Mein Elite soll Sie dazu inspirieren, wünscht sich von Herzen (und vor allem, dass Sie gesund bleiben)

Ihre
Ekaterina Mucha

Chefredakteurin

 

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