Der Blattgoldschläger

Es ist ein aussterbendes Gewerk, das versteckt in einer Seitengasse seit dem Jahr 1906 ausgeübt wird: Das Goldschlagen – sprich: die Herstellung von Blattgold – ist zu einer Rarität in unserem Land geworden, denn die Konkurrenz aus Asien knabbert am Umsatz. Diesem Umstand trägt die UNESCO Rechnung und nahm die Goldschlägerei vor drei Jahren in die Liste des immateriellen Kulturerbes Österreichs auf. Denn es ist der magische Glanz, der die schönsten Baudenkmäler – wie das Schloss Schönbrunn oder die Staatsoper zu Wien – zu Hinguckern für Touristen und Einheimische macht. In der Werkstatt der Firma Wamprechtsamer pflegt man als einziger Betrieb, der sich noch in österreichischem Besitz befindet, diese uralte Tradition. Wo zuerst Maschinen Goldbarren zu hauchdünnen Blättern schlagen, braucht es den Faktor Mensch zur Perfektion: In jedem Arbeitsschritt bis zum letzten „Schlagprozess“ ist Muskelkraft gefragt, damit das Endprodukt eine weiche, ebenmäßige und hochglänzende Oberfläche erhält. Doch: „Es fehlt an Gold in unserem Leben!“, bringt es Philipp Hofmann, Urenkel des Firmengründers, auf den Punkt.

Elite: Muskelschmalz spielt in einer Maschinenwelt bei Ihnen nach wie vor eine Rolle. Was macht das Finish des Blattgolds durch einen menschlichen Goldschläger so besonders?

Philipp Hofmann: Der letzte Arbeitsschritt erfolgt immer mit der Hand. Das Blattgold wird dadurch sehr schön geschmeidig und es löst sich besser aus der Form. Weshalb das so ist, kann man nicht wirklich erklären. Vermutlich ist es das unregelmäßige Schlagen per Hand, wobei mehr Luft zwischen die einzelnen Blattgoldblätter und die trennenden Folien kommt. Außerdem funktioniert nicht jede Form an jedem Tag gleich. Da muss der Mensch nachbessern…

Von Alexander Haide

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