Top oder Flop

Das Schicksal einer Nation ist abhängig davon, wie sie sich ernährt“, schrieb einst der französische Gourmet und Gastronom Jean Anthelme Brillat-Savarin. Der Ruf einer Nation wird heute nicht zuletzt durch den Geschmackssinn geprägt. Das wissen auch die Staatenlenker. So wurden die Küchenchefs die neue Diplomatenriege. 2012 startete das US-State-Department das Programm „Chef Corps“ mit dem Ziel, die amerikanische Küche in die Welt hinauszutragen. 

Das erste Land, das versuchte, seinen Ruf über seine Landesküche aufzupolieren, war Thailand. 2002 startete das Global Thai Program mit dem Ziel, die Zahl der Thai-Restaurants im Ausland zu steigern. Der Import von Thai-Lebensmitteln im Ausland wurde vereinfacht. Kochkurse wurden gefördert. Südkoreas „Kimchi-Diplomatie“ hatte ähnliche Ziele. Um das Image des Landes zu verbessern und nicht immer mit dem kommunistischen Nachbarn im Norden verwechselt zu werden –  was nicht besonders einträglich für die Wirtschaft war –, startete man dort 2009 das Programm „Korean Cuisine to the World“. Das Ziel der Regierung war: Viermal so viele koreanische Restaurants im Ausland bis 2017 und ein Platz unter den Top fünf der meistvertretenen Länderküchen weltweit. Das Programm wurde mit kolportierten 44 Millionen Dollar unterstützt. 

Aber weniger die Aktivitäten der Politik, sondern eher die Segnungen der Globalisierung haben dazu geführt, dass eine Reise in ein fremdes Land keine kulinarische Überraschung mehr ist. Heute muss man nicht mehr nach Italien reisen, um Pizza zu essen, nicht nach Spanien für Tapas oder nach England, um Fish & Chips zu probieren. Die deutsche Bratwurst hat längst ihren Siegeszug über den großen Teich angetreten. Im Gegenteil, für den Reisenden gestaltet es sich immer schwieriger, authentische nationale Küche zu erleben. Umgekehrt wird es auch zu einer immer größeren Herausforderung, im Inland einheimische Kost auf den Teller zu bekommen.

 

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