Feinste Gastlichkeit

Wer oder was um Gottes-himmelswillen ist die Tauroa? Das fragten wir uns, als die freundliche Einladung von einem sympathischen jungen Pressemann erfolgte, deren Häuser zu entdecken. Doch wer kurz überlegt und des Lateinischen mächtig ist, dem fällt ein, dass „Taurus“ Stier bedeutet. Und von dort zu einem gewissen roten Bullen ist es nicht mehr weit. 16 Häuser umfasst mittlerweile die elegante feine Hotel-Kollektion des Dosen-Giganten Dietrich Mateschitz. 

Und da wir schon ewig lang nicht im Salzkammergut waren, wiewohl ich doch dort die besten Tage meiner späten Mittelschulzeit verbracht habe, nimmt man die freundliche Einladung gerne an.  

Von meiner Schulzeit, als ich im Ferienhort am Wolfgangsee segeln lernte, bis zum demütigen Alter sind viele Jahrzehnte vergangen. Die Besichtigung von tausenden Hotelzimmern bei mehrfacher Umkreisung des Erdballs (kein Wunder, wenn man die größte heimische Reise-Fachzeitschrift macht) liegen dazwischen. Und dann kommt man im Salzkammergut an, im Gästehaus Krenn, das einem im Prospekt irgendwie sehr normal daherkommt. Und du entdeckst: Wenn der reichste Österreicher eine Bewirtungs- und Hotelgruppe aufstellt, dann gehen dort die Uhren anders. 

Was ist Gastronomie? Nun, zum einen die Herzlichkeit, die Professionalität und die gute Ausbildung der Mitarbeiter. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Zum anderen die Art, wie Unternehmer mit ihren Mitarbeitern umgehen. Die bei Tauroa waren keine Minute in Kurzarbeit. Wurden in dieser Zeit via Schulungen weitergebildet. Die Betriebe ausgebaut. Fertig renoviert. Und zum Dritten erkennt man die Qualität an den eingesetzten Materialien, den Kleinigkeiten, den Details. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Betrieb, der kalt ist, dem es an Persönlichkeit mangelt, dem die Ausstrahlung fehlt. Und wie durch einen zarten, feinen, eleganten Volant blitzt hier die Persönlichkeit des Erfinders durch. Du spürst – ohne dass der anwesend ist, weil seine PR-Strategie ja darin besteht, maximal zu kommunizieren, ohne sich selbst zu inszenieren –,
was da für ein außergewöhnlicher Mensch hinter den Kulissen die Fäden gezogen hat. 

Ein paar Kleinigkeiten gefällig: Die Betriebe sind mit Kunst bestückt. Und anders als die lieblosen Drucke, die da anderswo an der Wand kleben, merkst du, dass es hier eine eigene Kuratorin gibt, die, vom Herrscher über die erfolgreichste Dose Österreichs eingesetzt, dafür sorgt, dass alles aus einem Guss ist. Chapeau. Oder: Du sitzt beim Frühstück und hast ein kleines Gefäß mit Grünzeug neben dir stehen. Nebst einer winzig kleinen, eleganten Schere. Das hat übrigens jeder beim Frühstück vor sich. In dem Schälchen sind Kressepflanzen, die man selber schneiden kann. Oder – die Seife. Üblicherweise mache ich sowas nicht. Aber ich habe um den Kontakt gebeten, weil ich so ein kleines viereckiges Stück Seife (die ist von Susanne Kaufmann) von solcher Qualität noch nie zu Gesicht bekommen habe. Genau an solche Kleinigkeiten erinnert man sich. Bewahrt die zu Hause auf. Und kehrt im nächsten Jahr wieder dort ein.

Von Christian W. Mucha 

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