Gastronomie aufsperren – und zwar sofort.

Die Stimmen mehren sich. Sie werden lauter. Die Welle des Protestes bundesweit geht hoch.
Der Tenor: Gastronomie aufsperren. Kontrolliert. Und zwar sofort.

Nun mag es viele unter unseren Lesern geben, die sagen: Klar, dass der Mucha fürs Aufsperren der Gastronomie ist. Schließlich verlegt er seit 46 Jahren die größte Gastronomiefachzeitschrift des Landes. Da muss er für seine Klientel ja eintreten.

Doch ich habe bis jetzt geschwiegen. Und mich an die Fakten gehalten. Und allen, die bei mir interveniert haben, gesagt, dass ich den Lockdown für die klügste Version halte. Auch wenn das immens schmerzt. Auch wenn es für unsere Betriebe ans Eingemachte geht.

Auch wenn das den Tod, das Sterben, die Pleite von ungezählten Unternehmen im Gastgewerbe bedeutet. Auch wenn die Regierung säumig war mit den Zahlungen. Auch wenn die Unterstützungen nur schleppend geflossen sind. Auch wenn windige Vermieter keinen Millimeter von überhöhten Mieteinnahmen nachgelassen haben. Siehe Wlaschek-Stiftung und Landtmann. Übrigens eine der übelsten Geschichte, die ich in den letzten Jahren gehört habe. „Charly Walker“, der alte Wlaschek, der immer ein guter Mensch gewesen ist, und den ich persönlich kannte, rotiert wahrscheinlich im Grab, wenn er sieht, wie seine Stiftungsvorstände, die sein redlich erworbenes Geld heute verwalten, mit Menschen umgehen. Einfach erbärmlich.

Doch der Grund, warum ich nun für eine sofortige Öffnung eintrete ist ein rein sachlicher.

Und der hat mich im Gespräch mit Rudolf Tucek, der immerhin jahrelang das Österreichische Verkehrsbüro und damit die größte Hotel- und Reisegruppe des Landes in lichte Höhen geführt hat, überzeugt:

Das Einkasteln, das Einsperren, der Lockdown hat dazu geführt, dass alle Aktivitäten des Essens, des Treffens und der Kommunikation in den privaten Bereich verlagert wurde. Und was passiert im privaten Bereich von Wohnungen?

Obwohl die Regierung verzweifelt versucht hat, sich Zutritt ins Privatleben der Menschen zu verschaffen, sind Kurz, Nehammer, Anschober und Co. damit schmählich gescheitert.

Kein Innenminister, der im Amt bleiben will, überlebt es, wenn die Uniformierten beginnen, in Wohnzimmern, Schlafzimmern und Küchen Nachschau zu halten, ob Abstand, Masken und Desinfektion eingehalten werden. Das ist genauso, als würde Kurz es wagen die generelle Impfpflicht einzuführen. Dann verliert er auf einen Schlage alle Impfzögerer, -zauderer und Impfgegner. Dann ist die Regierung in kürzester Zeit perdu. Weg. In der Versenkung verschwunden.

Wenn also alles in den privaten Bereich verschoben wird, dann ist jede Kontrolle unmöglich geworden. Die Ansteckungen passieren – das ist mittlerweile klar – genau im ungesicherten, ungeschützten privaten Bereich, wo das Verbreiten des Virus fröhliche Urständ‘ feiert.

Ganz anders sieht die Situation aus, wenn man die Gastronomie öffnet. Wenn die Menschen – kontrolliert, reguliert und nach straffen Regeln – in der Öffentlichkeit wieder essen können, speisen können, sich treffen können. Mit Maß und Ziel. Nach vorgegebenen Regeln. Mit Mindestabstand. Mit Hygienevorschriften. Mit Masken.

Damit entsteht eine klare und logische Schlussfolgerung. Das Verschieben des gesellschaftlichen Lebens in den privaten Bereich steigert die Infektionen.

Das Wiederöffnen der Gastronomie und das kontrollierte Kommunizieren in der Öffentlichkeit unter Aufsicht, nach strenger Reglementierung, wird die Infektionen einschränken.

So einfach ist das.

Deshalb schwenken jetzt auch Spitzenpolitiker wie der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser um und fordern die unverzügliche Öffnung der Gastronomie. Sie sind meiner Meinung? Dann schreiben Sie mir bitte an christian@mucha.at. Sie sind nicht meiner Meinung? Dann schreiben Sie mir unbedingt auch an christian@mucha.at

 

© Christian W. Mucha