Ein Spiel mit Geschichte und Reichtum – eine Chiffre, die die Sprache des Hauses entschlüsselt, um sie neu zu schreiben.



Dior ist längst mehr als nur ein Modehaus – es ist Teil des kollektiven kulturellen Gedächtnisses, tief verwoben mit Geschichte, Kunst und Populärkultur. Unter der kreativen Handschrift von Jonathan Anderson erfährt die Marke eine subtile Transformation. Diese findet in einem bewusst gewählten Rahmen statt: einem Raum, der an die samtigen Interieurs der Berliner Gemäldegalerie erinnert.



Die Inszenierung verzichtet auf Lautstärke. Sie spricht die leise, selbstbewusste Sprache des Understatements – eine Ästhetik der Ruhe und Gelassenheit. An den Wänden: zwei stille, fast andächtige Meisterwerke von Jean Siméon Chardin (1699–1779), der in einer Zeit des Überflusses und Spektakels das Alltägliche feierte. Chardin ersetzte Prunk durch Wahrhaftigkeit, opulente Gesten durch feinsinnige Empathie.



Ein Museum ist nicht nur ein Ort der Erinnerung – es ist ein öffentlicher Raum, in dem Geschichte lebendig wird, wo das Gestern mit dem Heute spricht. Und manchmal öffnet sich in diesen Räumen ein Fenster für atemlose, befreiende und freudvolle Streifzüge zwischen Epochen und Empfindungen.



Ein instinktives, sensibles Zusammenspiel von Damals und Heute. Eine Begegnung mit wiederentdeckten Archiven, mit klassischen Stilmitteln vergangener Epochen – und Kleidungsstücken, die den Lauf der Zeit überdauert haben.



Eine fast archäologische Rekonstruktion von Form und Haltung: Donegal-Tweeds, Regimentskrawatten, die legendäre Bar Jacket, Fräcke und Westen aus dem 18. und 19. Jahrhundert – neu zusammengesetzt, doch im Geist ihrer Herkunft bewahrt.



Rosen, zarte Stickereien, verspielte Diorette Charms mit Rokoko-Anmutung verweisen auf die Faszination Monsieur Diors für diese Epoche – ebenso wie auf seine tief empfundene Liebe zur britischen Kultur, deren Nachklänge noch heute im Gewebe der Kollektion spürbar sind.



Kleider wie Delft, Caprice und La Cigale werden behutsam transformiert, in die Gegenwart überführt und in neue Kontexte gestellt.



Die Dior Book Tote zitiert große Literatur – sie zeigt Buchcover, darunter die Ausgaben von Saint Pères: Les Fleurs du Mal von Charles Baudelaire und In Cold Blood von Truman Capote. Eine Crossbody-Bag wiederum zollt einem anderen literarischen Klassiker Tribut: Dracula von Bram Stoker.



Die Künstlerin Sheila Hicks verleiht der Lady Dior ein neues Erscheinungsbild – sie hüllt sie in ein sanftes Nest aus feinstem Leinen, als wolle sie sie vor der Welt beschützen.



Stil als Haltung, als Form der Selbstbehauptung. Als Möglichkeit, sich neu zu inszenieren – spontan, instinktiv, frei. Mode wird zum Spielfeld der Identität, zur Bühne des Wandels, zur Einladung, die Idee von Aristokratie spielerisch infrage zu stellen.



Die jugendliche Spontaneität dieser Kollektion ist eine Ode an die Fantasie – ein Weg, sich selbst und den Augenblick neu zu erfinden. Sie betrachtet das Vergangene mit neugierigen Augen, um daraus das Neue zu formen. Und sie erlaubt der Empathie, das Wesen wahrer Eleganz zu definieren.



