Düfte spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben und rufen eine besondere Faszination in vielerlei Hinsicht hervor. Nehmen wir beispielsweise den geschichtlichen Aspekt – das erste bekannte Parfüm war tatsächlich Weihrauch. Dieser Duftstoff wurde bereits vor über 5000 Jahren im alten Ägypten geschätzt. Später übernahmen auch die Araber, Inder und Römer den wohlriechenden Rauch und nutzten ihn für rituelle und alltägliche Zwecke. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine vielfältige Duftkultur, in der zunehmend auch Salben und Parfümmischungen kreiert wurden.


Als ältestes wahrhaftiges Parfüm gilt das „Profumo della Regina“, das eigens zur Hochzeit von Caterina de’ Medici und Heinrich von Orléans im Jahr 1533 hergestellt wurde. Was einst vor allem kultischen und höfischen Zwecken diente, hat sich heute zu einem Ausdruck individueller Persönlichkeit gewandelt. Parfüm begleitet uns seit jeher als sinnliche Komposition aus verschiedenen Duftstoffen – geschaffen, um den natürlichen Körpergeruch zu überlagern und eine angenehme, oft unvergessliche Duftsignatur zu hinterlassen.
Wo Parfüm Tradition hat
Besonders interessant ist für mich auch, wie bestimmte Orte untrennbar mit der Geschichte und Kunst des Parfüms verbunden sind. Als „Welthauptstadt des Parfüms“ gilt das südfranzösische Grasse, malerisch gelegen in den Hügeln nahe der Côte d’Azur. Die Stadt blickt auf eine jahrhundertealte Tradition in der Parfümherstellung zurück.
Im Mittelalter war Grasse vor allem für seine Gerbereien bekannt. Das dort gefertigte Leder war sehr begehrt – allerdings verbreitete es einen starken, unangenehmen Geruch. Um diesem entgegenzuwirken, kam der Gerber Galimard auf eine geniale Idee: Er begann, seine Lederhandschuhe in mit Blüten angereicherten Bädern zu tränken. Verwendet wurden dafür unter anderem Lavendel, Myrte, Jasmin, Rose, wilde Orangenblüte und Mimose aus den umliegenden Gärten der Provence – eine Idee, die nicht nur das Handwerk veredelte, sondern den Grundstein für die Parfümkunst in Grasse legte.
Heute beherbergt die Stadt renommierte Parfümhäuser wie Fragonard, Molinard und Galimard. Besonders bekannt ist die Region für ihre Rosen- und Jasminfelder, deren Essenzen auch in ikonischen Düften wie Chanel N°5 verarbeitet werden. Besucher können hier nicht nur Museen besuchen, sondern in Workshops auch selbst kreativ werden und ihren eigenen Duft komponieren – ein intensives wie persönliches Erlebnis.
Unvergesslich war für mich ein solcher Duftkreationskurs in Grasse – oder alternativ in Èze-Village, wo man in kurzer Zeit erstaunlich viel über sich selbst und die eigene Duftwahrnehmung lernen kann. Innerhalb von zwei Stunden entsteht ein individuelles Parfüm, begleitet von fachkundiger Anleitung. Besonders beeindruckend war eine zweieinhalbtägige Schulung mit einer sehr erfahrenen Parfümeurin, die tiefgehende Einblicke in die Komplexität und Sinnlichkeit der Parfümwelt gab. Im Preis von 99 Euro war auch ein 100-ml-Flakon des selbst kreierten Parfüms enthalten – liebevoll abgefüllt in eine elegante Flasche, die nicht nur Duft, sondern auch Erinnerung bewahrt.


Kopf, Herz und Basis
Ein Parfüm setzt sich aus drei aufeinanderfolgenden Duftphasen zusammen: der Kopfnote, der Herznote und der Basisnote.
Kopfnote: Die Kopfnote bildet den ersten Eindruck eines Parfüms. Sie umfasst die leicht flüchtigen Duftstoffe, die unmittelbar nach dem Auftragen wahrnehmbar sind. Diese Aromen verflüchtigen sich schnell, hinterlassen jedoch einen prägenden ersten Eindruck.
Herznote: Nach dem Abklingen der Kopfnote entfaltet sich die Herznote, etwa 10 bis 20 Minuten nach dem Auftragen. Sie bildet das Herzstück der Komposition und vereint sich allmählich mit den Noten der Basis. Die Herznote bestimmt den Charakter des Parfüms maßgeblich.
Basisnote: Die Basisnote bildet den Abschluss des Duftverlaufs. Sie enthält die schwereren, langanhaltenden Komponenten, die oft mehrere Stunden auf der Haut wahrnehmbar bleiben. Durch diese tiefgründigen Nuancen – häufig holzig, harzig oder gourmandig – erhält das Parfüm seine Tiefe und Beständigkeit.

Eine hilfreiche Methode zur Identifikation persönlicher Duftvorlieben besteht darin, eine Liste beliebter Parfüms zusammenzustellen und deren Kopf-, Herz- und Basisnoten zu analysieren. So lassen sich wiederkehrende Duftkomponenten erkennen, die besonders ansprechend wirken. Häufig genannte Beispiele sind etwa Patchouli, Bergamotte, Ylang-Ylang, Vanille, Rose Absolue, Orangenblüte und Oud.


Während klassische Parfüms aus natürlichen oder synthetischen Duftstoffen bestehen, die in Kopf-, Herz- und Basisnoten komponiert werden, gibt es inzwischen auch sogenannte molekulare Düfte. Normale Düfte setzen auf komplexe Mischungen von Blüten, Früchten, Gewürzen und Hölzern, die sofort als bekannte Aromen erkennbar sind. Molekulare Düfte hingegen arbeiten mit einzelnen aromatischen Molekülen, die oft kaum mit einem traditionellen Duft vergleichbar sind. Sie sind minimalistisch, modern und verändern sich stark mit der Hautchemie des Trägers. Das Ergebnis kann überraschend oder sogar provokativ sein – etwa ein Parfüm, das nach sauberer Wäsche riecht, nach Leder oder nach Regen auf Asphalt. Für Duftliebhaber bieten molekulare Düfte eine experimentelle Dimension jenseits klassischer Duftfamilien.
Auch die Flasche selbst ist ein essenzieller Teil der Parfümerfahrung. Große Parfümhäuser investieren enorme Summen in aufwendig designte Flakons – etwa aus Kristallglas, oft mit Swarovski-Steinen verziert. Solche Flakons sind nicht nur Behälter, sondern Statussymbole und Sammlerobjekte; die Düfte in diesen Luxusflaschen zählen zu den teuersten der Welt.
Auf der anderen Seite spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Viele Marken bieten heute Nachfüllsysteme an: Flakons können wiederverwendet werden, und die Parfüms werden in speziellen Nachfüllstationen oder kleineren Flaschen verkauft. So lässt sich nicht nur Abfall vermeiden, sondern auch der exklusive Flakon weiter nutzen, ohne ständig neue Ressourcen zu verbrauchen. Besonders in Parfümerien und großen Kaufhäusern wie Douglas oder Sephora werden Nachfüllaktionen angeboten – eine perfekte Symbiose aus Luxus und Umweltbewusstsein.
Meine Lieblings-Düfte
Von einer Blondine wird häufig erwartet, dass sie zarte, blumige oder verspielte Düfte bevorzugt – doch genau das ist so gar nicht mein Stil. Ich liebe intensive, charakterstarke orientalische Unisex-Parfüms, die im Gedächtnis bleiben.
Parfüm trage ich nicht durchgehend – und niemals beim Essen oder im Restaurant. Auch meinen Mann bitte ich in solchen Momenten, darauf zu verzichten.

Narciso Rodriguez – For Her Forever (Eau de Parfum)
Ein Duft, der als Hommage an feminine Anmut und zeitlose Eleganz konzipiert wurde. Die Komposition vereint leuchtende, sinnliche Noten von Frangipani, Gardenie, Jasmin, Tuberose und Osmanthus mit einem charakteristischen Herzen aus Moschus und einem tiefgründigen Fond aus Patchouli.
Tom Ford – Black Orchid (Eau de Parfum): Seit seiner Einführung im Jahr 2006 zählt dieser Duft zu den ikonischen Parfums mit orientalisch-blumiger Ausrichtung. Die Kopfnote vereint Trüffel, Gardenie, schwarze Johannisbeere, Ylang-Ylang, Jasmin, Bergamotte, Mandarine und Amalfizitrone. Im Herzen entfalten sich Orchidee, würzige Noten, fruchtige Akzente, Gardenie, Ylang-Ylang, Jasmin und Lotus. Die Basisnote setzt sich aus mexikanischer Schokolade, Patchouli, Vanille, Weihrauch, Ambra, Sandelholz, Vetiver und weißem Moschus zusammen.
Jo Malone – English Pear & Freesia (Cologne): Ein blumig-fruchtiger Duft aus dem Jahr 2010. Die Komposition vereint saftige Birnennoten mit der Leichtigkeit von Freesien und schafft dadurch ein frisches, elegantes Duftbild.
Burberry – London (Eau de Parfum): Ein klassischer Duft mit femininer Ausstrahlung. Die warme Kombination aus Patchouli, Moschus und Sandelholz verleiht dem Parfum Tiefe und Sinnlichkeit. Erhältlich zu einem vergleichsweise günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis, beispielsweise 100 ml für ca. 38 € (z. B. bei Notino).
Dior – J’adore (Eau de Parfum): Ein floraler Duftklassiker mit einer edlen Komposition aus Ylang-Ylang und Rose. J’adore ist bekannt für seine elegante und verführerische Wirkung. Der Duft ist in der 30-ml-Größe bereits ab etwa 65 € erhältlich (z. B. bei Douglas).
Fragonard – Diamant (Eau de Parfum): Ein orientalisch-blumiger Duft für Frauen. Die Komposition lädt zum Träumen ein und verbindet klassische blumige Noten mit einem Hauch sinnlicher Wärme.
Jo Malone London – Orange Bitters: Ein Duft mit lebendiger Frische und raffinierter Tiefe. Spritzige Clementinenblüten eröffnen die Komposition und sorgen für einen funkelnden Auftakt. In der Herznote entfalten sich Orangenblüten und Wasserlilien, die eine zarte florale Leichtigkeit einbringen. Abgerundet wird das Dufterlebnis durch warme Nuancen von Iris und weichem Vetiver, die dem Cologne eine elegante, sanft erdige Basis verleihen.
Jo Malone – Velvet Rose & Oud (Cologne Intense): Ein markanter, orientalisch angehauchter Duft mit Tiefe und Charakter. Die intensive Kombination aus samtiger Rose und dunklem Oud verleiht dem Parfum eine kraftvolle und zugleich elegante Ausstrahlung.
Tom Ford – Lost Cherry: Ein Duft, der sich erst nach und nach in seiner Vielschichtigkeit erschließt. Die anfänglich dominanten Noten von Jasmin, Rose und Kirsche wirken ausgesprochen feminin. Mit der Zeit treten jedoch warme Akkorde von Tonkabohne, Perubalsam, Bittermandel und Rose in den Vordergrund, die der Komposition eine sinnliche, verführerische Tiefe verleihen.
Tom Ford – Electric Cherry: Ein Duft, der das facettenreiche Aroma der Schattenmorelle in den Mittelpunkt stellt – saftig, leicht herb und mit einer verführerischen Tiefe. Prickelnder Ingwer verleiht der Komposition eine lebendige, beinahe berauschende Frische. Im weiteren Verlauf entfalten sich die blumigen Nuancen von Jasmin-Sambac, während Ambrettolide mit moschusähnlichen Akzenten und sanfter Wärme eine sinnliche Basis schafft. Rosa Pfeffer sorgt für einen würzigen Abschluss und rundet das Eau de Parfum elegant ab.
Jean Paul Gaultier – Divine: Ein Duft, der die Stärke, Freiheit und Individualität moderner Weiblichkeit verkörpert. Die Komposition steht für Selbstbewusstsein und Charisma, vereint Ecken und Kanten mit verspielter Eleganz. Dabei feiert „Divine“ nicht das Ideal der Perfektion, sondern die Schönheit in der Unvollkommenheit – kraftvoll, stolz und kompromisslos frei. Jean Paul Gaultier ist bekannt für seine provokante Handschrift und den kreativen Umgang mit gesellschaftlichen Konventionen, sowohl in der Mode als auch in der Duftwelt. Seine Parfums sind Ausdruck dieser Vision: sinnlich, eigenwillig und stets mit einem Hauch Popkultur versehen.
Jo Malone London – Waterlily: Ein sanftes, florales Cologne, das sowohl für Frauen als auch Männer kreiert wurde. Die Komposition eröffnet mit einer zarten Neroli-Note, die für einen leichten, zitrisch-blumigen Auftakt sorgt. Im Herzen stehen aquatische Wasserlilie und arabischer Jasmin im Fokus und verleihen dem Duft eine klare, elegante Blütenfrische. Weißer Moschus bildet die Basis und sorgt für eine weiche, hautnahe Tiefe, die dem Duft Leichtigkeit und zugleich eine subtile Sinnlichkeit verleiht.


