Im Jahr 2011 habe ich mit meinem Mann gemeinsam meinen ersten Opernball bestritten. Dieses Jahr war es bereits mein 13. Mal. Und jedes Mal bin ich gewesen und habe nur zwangsläufig zwecks CoVid verzichten müssen. Deswegen muss ich gestehen, ich traue es mir zu, mich als Opernball Expertin zu bezeichnen. Jede Ballnacht entsteht aus einer besonderen Mischung geheimer Zutaten: einer langen Vorbereitungszeit, der Kunst, nicht zu viel zu erwarten, und der Entscheidung, diesen Abend zu erleben, als wäre es das letzte Mal.
DRESSCODE
Das Event ist das Highlight der Ballsaision, luxuriös, glamourös und schick. Aber der Dresscode ist natürlich auch dementsprechend streng und penibel. Damen dürfen beispielsweise nur im großen, bodenlangen Kleid kommen. Das Dekolleté darf nicht zu auffällig sein, nicht zu viel Haut, nicht zu vulgär. Aber auch der Rücken sollte nicht zu sichtbar sein und auch der Beinschlitz sollte sich eher im dezenteren Bereich verorten lassen. Und als wäre das nicht genug, sind nur geschlossene Schuhe tragfähig. Vorteil daran ist aber, dass es durchaus weniger weh tut, wenn einem auf die Zehen gestiegen wird.
Aber auch für die Herren sind bei der Kleidung einige Regelungen zu beachten. Aber es sind durchaus weniger als für uns Frauen. Ein schwarzer Frack wird hierbei gerne und obligatorisch gesehen, wobei aber sogar die Wahl zwischen zwei Frackschnitten besteht. Entweder schließt dabei die zugehörige Weste direkt am Vorderteil des Jackets ab oder ist im Ausmaß von 2 Zentimetern sichtbar. Alternativ darf aber auch eine Galauniform getragen werden. Die weiße Fliege hat aber jedenfalls ihren Platz und muss vorhanden sein, genauso wie die klassischen Hosenträger.
Die Farbwahl ist bei den Männern meist sehr schnell abgeschlossen, und auch eigentlich vollständig vorgegeben. Bei den Frauen ist die Auswahl und Möglichkeit aber definitiv größer. Wichtig ist aber, dass ein weißes Kleid nur ein einziges Mal in seinem Leben am Opernball erlaubt ist. Beim Debüt. Danach ist es verpönt ein Symbol für Reinheit und Unschuld zu tragen und verstößt somit gegen die langjährige Tradition.

Und auch bei den Accessoires gibt es einiges zu beachten. Es dürfen keine Armbanduhren getragen werden sowie auch nur eine kleine Tasche. Aber keine Sorge, da gibt es schon den einen oder anderen Weg rundum. Beispielsweise mit einer Schmuckuhr für die Frau oder einer klassischen Taschenuhr für den Herren. Teuer aussehen sollte es aber jedenfalls, selbst wenn es dann doch „nur“ Modeschmuck ist.
Was wäre der Opernball ohne schimmernde Juwelen – doch wie viel Glamourfaktor verträgt das Ball-Styling? Eleganz und Opulenz. Extravaganz gehört meiner Meinung nach nicht zum Opernball, billige Bling-Bling Teile würde ich auch vermeiden. Auch bei einem geringeren Budget würde ich mich lieber auf Omas Vintage-Schmuck aus dem Familien-Schrank, als auf moderne Bijouterie verlassen. Es bleibt offen Diskussion ob das Kleid zum Schmuck soll passen und zuerst gesucht werden oder umgekehrt
JUWELEN
Ein Erlebnis, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde: Für eine Nacht durfte ich mich wie ein Bond-Girl fühlen – mit einer sündhaft teuren Opernball-Garderobe, einer Viertelmillion Euro wertvollem Schmuck und sogar einem eigenen Bodyguard.
Perfekt im Takt des Staatsgewalzers durfte ich den wohl kostbarsten Schmuck des Opernballs „ausführen“, wie ihn Journalisten später nannten – ein atemberaubendes Collier, das bereits Mezzosopranistin Elīna Garanča trug, als sie den Opernball mit ihrem Gesang feierlich eröffnete
Dieses funkelnde Geschmeide, eine Leihgabe des Wiener Auktionshauses Amadeus, war jedoch weit mehr als nur ein Schmuckstück: Ein Collier aus Weißgold, besetzt mit rund 74,56 Karat Diamanten und zwölf imposanten Saphiren – Wert: 253.000 Euro!
Am Ende fühlte es sich an wie in einem Cinderella-Märchen: Kurz nach Mitternacht musste ich dieses atemberaubende Schmuckstück zurückgeben, bevor ich den Ball verließ.


2025



Kommen wir nun letztendlich zu einem der wichtigsten Dinge für diesen Abend: Das Styling. Nachdem der Opernball das absolute Highlight und Höhepunkt der Saison darstellt, hat sich das natürlich auch im Styling (v.a. der Frauen) widerzuspiegeln. Keine Alltagsfrisuren, kein Make-up, das man sonst für die Arbeit oder in der Freizeit tragen würde. Alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein, nicht zu viel, ja nicht zu wenig. Die Frisur sollte einer wirklichen Abendfrisur entsprechen und sich deutlich vom Alltagslook abheben.
Ich kann euch auf jeden Fall versprechen, wenn ihr euch an diese Dinge haltet, dann werdet ihr sicherlich einen schönen Abend haben und niemals in ein versehentliches Fettnäpfchen treten.
Prachtvolle, wunderschöne Wiener Staatsoper – danke, dass ich dein Gast sein durfte. Bis zum nächsten Jahr!

