The Hour Before mit Wang Shun
Jaeger-LeCoultre trifft den berühmten Schwimmer, Olympiasieger und Freund der Maison Wang Shun für eine neue Folge von The Hour Before, der Interview-Serie der Manufaktur, die Einblicke in die entscheidenden Stunden vor einem bedeutenden Moment gewährt. In dieser Episode treffen zwei Welten aufeinander, die beide eng mit der Zeit verbunden sind, in denen Präzision von wesentlicher Bedeutung ist, Bewegung immer weiter perfektioniert wird und selbst winzige Sekundenbruchteile den entscheidenden Unterschied machen können.

Das Lagenschwimmen im Einzelwettkampf ist eine Disziplin, die von starker Abwechslung geprägt ist. In einem einzigen Wettkampf muss der Schwimmer alle vier Schwimmstile meistern, wobei jeder einen anderen Rhythmus vorgibt, eine eigene Technik erfordert und den Körper unterschiedlich beansprucht. Erfolg beruht also nicht nur darauf, jeden Stil für sich zu beherrschen, sondern auch auf dem Verständnis, wie man nahtlos von einem zum nächsten übergeht. Diese ständige Anpassung hat Wang Shuns Herangehensweise an den Schwimmsport geprägt. Anstatt sich auf eine einzige Stärke zu verlassen, hat er die Fähigkeit entwickelt, über unterschiedliche Techniken hinweg ein Gleichgewicht zu finden, das seinen Rhythmus und seinen Kraftaufwand während eines Wettkampfs reguliert. Auf höchstem Niveau verwandelt sich diese Vielseitigkeit in einen Instinkt. Jahrelanges Training ermöglicht dem Körper, ganz natürlich auf den Wechsel zu reagieren, während die langjährige Erfahrung einem ein Gefühl dafür vermittelt, wann man Energie sparen muss, wann man beschleunigen sollte und wie man über den gesamten Wettkampf hinweg die Kontrolle behält.
Genau diese Kombination aus Vielseitigkeit und Kontrolle zeichnet Wang Shun aus. Sein Können liegt nicht in der Wiederholung der gleichen Bewegung, sondern im souveränen Wechsel zwischen verschiedenen Techniken – also in einer ständigen Anpassung bei gleichzeitiger Bewahrung von Kontinuität. Diese Fähigkeit, verschiedene Formen der Expertise nahtlos zu vereinen, findet großen Anklang in dem Manufaktur-Atelier, wo zahlreiche spezialisierte Kunsthandwerker gemeinsam unter einem Dach arbeiten. Dabei spricht jeder seine eigene technische Sprache und verfügt über sein eigenes Savoir-faire, während zugleich alle gemeinsam zu jeder einzelnen Kreation ihren Beitrag leisten.

Wang Shuns Stil ist von der gleichen unaufdringlichen Sicherheit geprägt, die auch seine Herangehensweise an den Schwimmsport auszeichnet. Modern und doch bedachtsam, lässt er sich weniger von Konventionen als vielmehr von einem natürlichen Gespür dafür leiten, was sich für ihn authentisch anfühlt. Mühelos bewegt er sich zwischen eleganten und legeren Outfits, wobei er stets Wert auf Ausgeglichenheit und Proportionen legt und allzu opulente Looks meidet. Diesem natürlichen Selbstvertrauen fühlt sich Jaeger-LeCoultre zutiefst verbunden. Auch die Maison betrachtet Eleganz seit Langem als Ausdruck von Persönlichkeit und nicht als reine Schaustellung und entwickelt daher Zeitmesser, deren Raffinesse sich in ihrem klaren Design und ihren subtilen Details zeigt. Tief im Erbe verankert und doch immer wieder neu interpretiert, gelingt es den Kreationen der Maison, sich den wechselnden Stilcodes anzupassen und dabei zu einem individuellen Ausdruck des Trägers zu werden.
Wang Shun legt bei seiner Kleidung ein ähnliches Maß an Zurückhaltung an den Tag. Sein Stil spiegelt die Disziplin und die Konzentration wider, die seinen Werdegang als Athlet geprägt haben, lässt zugleich aber Raum für individuellen und persönlichen Ausdruck. Diese Einstellung findet ihr perfektes Pendant in der Reverso: Mit ihrem unverkennbaren Design überdauert die Ikone bereits Generationen und hat sich ihren ganz persönlichen Charakter stets bewahrt. Für Wang Shun und Jaeger-LeCoultre darf wahre Eleganz niemals übertrieben wirken. Sie ergibt sich ganz natürlich durch Ausgeglichenheit, Selbstbewusstsein und ein bewusstes Gespür für Individualität.

Kaliber 101 Chain
Seit dem frühen 16. Jahrhundert, als Uhren erstmals in tragbaren Varianten erschienen, ist die Uhrmacherkunst geprägt von dem beständigen Streben nach winzigen Formaten in Kombination mit einer präzisen Zeitmessung. Die größte Herausforderung bestand darin, zu verhindern, dass die Verkleinerung von Einzelteilen zwangsläufig zulasten der Robustheit und Zuverlässigkeit geht. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich Jaeger-LeCoultre einen Namen für die Herstellung sehr kleiner Uhrwerke. Dabei stellte die Maison sicher, dass die mechanische Qualität weder die Ästhetik, noch die Veredelungen beeinträchtigte. Zu ihren Innovationen gehörten das winzige LeCoultre Kaliber 7HP, das 1880 für kleine emaillierte und edelsteinbesetzte Uhren eingeführt wurde, sowie das LeCoultre Kaliber 6EB aus dem Jahr 1908, das kaum größer als 1 cm² war.
In den 1920er Jahren, als die Armbanduhren nach und nach die Taschenuhren ablösten, hatte sich das Leben der Menschen drastisch verändert. Neue Bedürfnisse entstanden, darunter auch eine Vorliebe für kleinere Uhren und kreativere Designs. LeCoultre entwickelte die perfekte Lösung: das Duoplan-Konzept. Dabei handelte es sich um ein 1925 erfundenes und patentiertes rechteckiges Uhrwerk, dessen Aufbau sich auf zwei Ebenen erstreckte (daher der Name Duoplan). Durch das Positionieren der Hemmung auf der einen Ebene und das Anordnen des Federhauses und der Zahnräder auf der anderen Ebene wurde der Platz, den das Räderwerk eines traditionellen Kalibers benötigt, halbiert. Ebenso brillant ist, dass die Zugfeder über eine flache Krone auf der Gehäuserückseite aufgezogen wird. Doch die LeCoultre Manufaktur ging noch einen Schritt weiter und führte 1929 das Kaliber 101 ein. Es basiert auf dem Duoplan-Aufbau und bildet den Höhepunkt beim Streben nach präziser Zeitmessung in winzigen Maßen.

Mit einer Länge von 14 mm, einer Breite von 4,8 mm und einer Höhe von 3,4 mm (bzw. einem Volumen von gerade einmal 0,2 cm³) bestand das Kaliber 101 aus 74 Einzelteilen und wog mit knapp einem Gramm etwa so viel wie zwei Schmetterlinge. Seine Unruh schwingt mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hertz), und die Feder bietet eine Gangreserve von 33 Stunden. Für die damalige Zeit war seine Entwicklung eine bahnbrechende Meisterleistung, da sie ohne die Hilfe von computergestütztem Design, Laserschneiden oder maschinelle CNC-Bearbeitung entstand, die erst etwa ein halbes Jahrhundert später entwickelt wurden. Bis heute hat es nichts von seiner Einzigartigkeit verloren, denn es ist noch immer das kleinste rechteckige mechanische Uhrwerk mit Handaufzug der Welt. Darüber hinaus gehört es zu den ältesten, auch heute noch produzierten Uhrwerken weltweit und wurde nicht nur unter seinem eigenen Namen für Schmuckuhren von Jaeger-LeCoultre verwendet, sondern auch von anderen renommierten Marken.
In den vergangenen 90 Jahren führte die Technologie zu Verbesserungen bei Materialien, beim Räderwerkaufbau und bei den Fertigungstechniken. Die Maße und der Aufbau des Kalibers hingegen haben sich nicht verändert. In ihrer fünften Generation besteht die aktuelle Version des Kalibers 101 aus 98 Einzelteilen, die alle aufgrund ihrer winzigen Abmessungen maßgefertigt und angepasst werden müssen. Nur einer Handvoll Uhrmacher – die alle in einem speziellen Atelier arbeiten, das diesem Kaliber vorbehalten ist – ist es bisher gelungen, sich die Fähigkeiten anzueignen, die für die Montage von Uhrwerken auf derart mikroskopischer Ebene erforderlich sind. Hierfür braucht es Geschick, extreme Präzision und sehr viel Geduld. Da das Zusammensetzen der 98 Einzelteile 40 Stunden in Anspruch nimmt, ist die Produktion auf einige Dutzend Exemplare pro Jahr beschränkt.

Die Tradition der Schmuckuhren reicht bis zu den europäischen Königshäusern des 18. und 19. Jahrhunderts zurück. Damals waren tragbare Zeitmesser selten und ein Symbol für Privilegien und Wohlstand. Da die Uhren von Goldschmieden, Steinschneidern, Emailleuren und Edelsteinfassern dekoriert wurden, entstand ein immer enger verwobenes Band zwischen Uhrmacher- und Juwelierkunst. Im frühen 20. Jahrhundert galten Armbanduhren als nützlichster Schmuck, den eine Frau besitzen konnte. Mit der Kaliber 101 Chain macht sich Jaeger-LeCoultre erneut die unzähligen kreativen Möglichkeiten zunutze, die die winzigen Abmessungen des Kalibers 101 bieten, und führt dieses Vermächtnis in eine wagemutige neue Richtung. Die neue Uhr ist eine Hommage an ein berühmtes Duoplan-Modell aus dem Jahr 1955 mit dem Spitznamen „Chain“, das mit einem geflochtenen Kettenarmband aus schweren, polierten Gliedern aus 18 Karat Rotgold (750/1000) gestaltet wurde. Die Form dieser Glieder spiegelt sich in den Details an den Seiten des aufwendig geformten Armreifs der Kaliber 101 Chain wider.
Bei der Gestaltung dieser Uhr hat sich die Designabteilung der Grande Maison von einem juweliertechnischen Ansatz leiten lassen. Anstatt mit dem Gehäuse zu beginnen, entwarfen sie zunächst das Armband, den Stil des Edelsteinbesatzes und das Dekor – wohingegen Gehäuse und Uhrwerk erst zum Schluss in das Design integriert wurden. Das stellt eine beeindruckende Umkehr der traditionellen Abläufe in der Uhrenherstellung dar. Basierend auf über 300 Stunden technischer Forschung und Entwicklung, entspricht die Kaliber 101 Chain den klassischen Codes der Haute Joaillerie, während sie diese Traditionen zugleich mit fortschrittlichen Materialien wie HyCeram® kombiniert – einer glänzenden, tiefschwarzen Hybridkeramik.

Das Stück wird im Gussverfahren aus 18 Karat Rotgold (750/1000) hergestellt, wobei für jede einzelne Uhr eine eigene Form angefertigt und aufs Neue gegossen wird. Nach dem Gießen wird die Oberfläche akribisch verfeinert: Die 36 vorhandenen HyCeram®-Vertiefungen werden sorgfältig nachbearbeitet, um feine, makellose Kanten zu gewährleisten, bevor die Öffnungen für die Diamanten exakt gebohrt werden. Mithilfe einer handgeführten Spritze wird dann das flüssige HyCeram® in die Aushöhlungen gefüllt. Sobald das Material mit dem Rotgold perfekt bündig ist, wird das Komposit einem präzise kalibrierten Druck und einer Hitzebehandlung unterzogen und anschließend sorgfältig poliert, um seine intensive Farbe und seinen Spiegelglanz zur Geltung zu bringen.
Daraufhin wird der Armreif an einen Edelsteinfasser im Atelier der Métiers Rares™ von Jaeger-LeCoultre weitergereicht, der ihn von Hand mit 158 Diamanten im Brillantschliff besetzt. Zuletzt wird die winzige Uhr mit ihrem schwarzen Lackzifferblatt und ihrer diamantbesetzten Lünette in den Armreif integriert. Die neue Kaliber 101 Chain ist ein Paradebeispiel für das meisterhafte Savoir-faire sowohl in der Miniatur-Uhrmacherkunst als auch in der Haute Joaillerie, das Jaeger-LeCoultre seit jeher an den Tag legt. Und sie ist eine Hommage an die kreative Freiheit, die das legendäre Kaliber 101 ermöglicht.

